Brot für Milliarden: Als jeder Oberfranke zu einem „reichen“ Menschen wurde

Das Jahr 1923 markiert einen der skurrilsten und zugleich tragischsten Momente der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Während die Reichsbank in Berlin mit dem Drucken kaum noch hinterherkam, verwandelte sich Deutschland in ein Land der „Milliardäre und Billionäre“, die mit Schubkarren voller Papiergeld zum Bäcker zogen.

In Oberfranken, fernab der Berliner Metropole, suchte man pragmatische Lösungen für das Chaos. Da das offizielle Geld der Reichsbank oft gar nicht erst in der Provinz ankam oder bei der Ankunft bereits wertlos war, griffen Städte und Orte wie Kronach, Nordhalben oder Teuschnitz zur Selbsthilfe. Dieses sogenannte „Notgeld“ wurde von Kommunen oder ansässigen Firmen herausgegeben. Es war der Versuch, den lokalen Handel aufrechtzuerhalten, während das globale Finanzsystem um sie herum kollabierte.

Das Ende des Spuks kam erst im November 1923 mit der Einführung der Rentenmark, bei der zwölf Nullen gestrichen wurden. Was blieb, war ein kollektives Trauma, aber auch eine Fülle an numismatischen Schätzen. Wenn wir uns am 20. September 2026 auf der 51. Münzen- und Geldscheinbörse in Bad Staffelstein treffen, betrachten wir diese Milliarden- und Billionen-Scheine nicht mehr als Zahlungsmittel, sondern als faszinierende Kunstwerke und Mahnmale einer Zeit, in der ein ganzes Land den Boden unter den Füßen verlor.

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