Vise Coding – ein strukturiertes Vibe Coding

Vibe Coding versus Vise Coding
Vibe Coding vs. Vise Coding

Beide Begriffe klingen ähnlich und stehen für Softwareentwicklung mit künstlicher Intelligenz. Aber die Vorgehensweisen und Ziele sind doch unterschiedlich.

Vibe Coding

„Vibe“ ist ein englisches Wort, das übersetzt in etwa „Stimmung“ oder „Atmosphäre“ bedeutet.
Der Begriff „Vibe Coding“ wurde 2025 von Andrej Karpathy in einem Tweet geprägt. Er wollte damit eine neue Vorgehensweise bei der Softwareentwicklung beschreiben,
die nicht mehr dem etablieren Softwareentwicklung-Zyklus „Engineered Coding“ folgt:

  • Progammcode schreiben, dann
  • Programmcode testen, anschließend
  • Code debuggen und zum Schluss
  • refakturieren, also den Quelltext optimieren ohne dabei das Programmverhalten zu ändern.

Beim „Vibe Coding“ wird einem LLM (Large Language Model) zunächst einfach beschrieben, was das Programm leisten soll und überlässt die eigentliche Arbeit der Programmerstellung dem KI-System.

Nach der Programmerstellung gibt man dem LLM Feedback, konkretisiert bei Bedarf die Anforderungen und lässt das KI-System erneut arbeiten und den Programmcode anpassen und verfeinern.

Da die Arbeit des eigentlichen Programmieren beim Vibe Coding entfällt, steigt die Produktivität enorm. Das ist natürlich ein großer Vorteil. Aber es gibt auch Nachteile bei dieser Vorgehensweise der Softwareerstellung. Der größte Nachteil aus meiner Sicht ist der Verständnisverlust. Da man den Programmcode nicht mehr selbst entwickelt hat, versteht man ihn evtl. auch nicht mehr im Detail und erkennt somit auch keine Schwachstellen oder Sicherheitslücken.

Daher ist meine Meinung, dass sich Vibe Coding in seiner ursprünglichen, gerade beschriebenen Form eher für die schnelle Entwicklung von Prototypen handelt, aber nicht für stabile, sichere Produktivsysteme.

Vise Coding

Der Begriff „Vise Coding“ wurde von Dr. David Faragó geprägt. „Vise“ bedeutet auf Deutsch „Schraubstock„. Und diese Übersetzung beschreibt diese Vorgehensweise bei der Softwareentwicklung mit KI-Hilfe sehr gut. Das KI-System wird wie man umgangssprachlich sagen würde „an die Kandare genommen“, also diszipliniert.

Die Sofware wird in kleinen Schritten interativ erstellt und zwar nach klaren Anforderungen, festgelegten Regeln, automatisierten Tests nach jedem Entwicklungsschritt, sauber kommentierten Programmcode und einer ausführlichen Dokumentation.

Der eigentliche Entwickler ist bei Vise Coding immer noch der Mensch. Er prüft den vom KI-System generierten Code genau und akzeptiert Code-Änderungen nur dann, wenn er ihn komplett verstanden hat und ihn zugleich als sicher und stabil bewertet.

Damit ist „Vise coding“ im Gegensatz zu „Vibe Coding“ auch für produktive Systeme geeignet. Und man könnte man „Vise Coding“ auch als „Engineered Coding“ mit KI-Unterstützung bezeichnen.

Kurz gefasst:

Für produktive IT-Systeme mit dem Anspruch an gute Wartbarkeit, Sicherheit und Stabilität – ist Vise Coding die richtige Wahl. Für die schnelle Entwicklung von Prototypen, kleine, persönlich verwendete Tools oder als kreativer Sparringspartner ist Vibe Coding sehr gut geeignet.

Quellen:

Oliver Fischer

Oliver Fischer ist der Inhaber der Firma "Oliver Fischer IT", studierter Informatiker, ein begeisterter IT'ler mit mehr als 30 Jahren Berufserfahrung und Admin dieser Webseite.

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