Reverse Incremental Backup – schon mal gehört?

Bekannte Backup-Verfahren

Jeder der mit Datensicherung zu tun hat kennt sicher die gängigen Backupverfahren

  • Full Backup
  • Incremental Backup
  • Differential Backup

und wie sie kombinieren und einsetzen lassen.

Reverse Incremental Backup

Doch was ist ein „Reverse Incremental Backup“? Oder auf Deutsch eine „Umgekehrt inkrementelle Datensicherung“?

Nun bei einem normalen inkrementellen Backup werden ausgehend von einem vollen Backup nur die danach geänderten Daten gesichert. Nehmen wir also der Einfachheit halber an, dass wir nur 3 Dateien haben: Datei1, Datei2, Datei3. Im vollen Backup befinden sich daher alle 3 Dateien. Nun wird lediglich die Datei2 geändert. Beim folgenden inkrementellen Backup wird daher nur die geänderte Datei2′ gesichert. Nach dem ersten inkrementellen Backup wird nun auch Datei3 zu Datei3′ geändert. Daher finden wir im darauf folgenden, zweiten inkrementellen Backup die Datei3′. Bei einer Rücksicherung aller 3 Dateien auf den letzten gesicherten Stand, wird daher aus der zweiten inkrementellen Sicherung die Datei3′, aus der ersten die Datei2′ und aus dem vollen Backup die Datei1 zurückgeholt. Zur vollständigen Rücksicherung sind daher alle 3 Sicherungen notwendig.

Beim „Reverse Incremental Backup“ reicht immer die letzte Sicherung, um den letzten gesicherten Datenstand komplett zurückzusichern. Wie kann das funktionieren? Nun nehmen wir wieder unsere 3 Dateien. Am Anfang steht wieder der volle Backup mit allen 3 Dateien. Nun wird wieder Datei2 geändert. Beim ersten „Reverse Incremental Backup“ wird nun zunächst der alte Stand der Datei2 in ein inkrementelles Backup gesichert, bevor in dem Backup mit der vollen Datensicherung der alte Stand der Datei2 durch den neuen Stand Datei2′ ersetzt wird. Jetzt wird wie vorhin die Datei3 geändert. Beim nun folgenden „Reverse Incremental Backup“ wird nach der Übernahme des alten Standes der Datei3 in einen zweiten inkrementellen Backup der aktuelle Stand der Datei3, also Datei3′ in die volle Datensicherung übernommen. Beim „Reverse Incremental Backup“ hat man daher immer den Datenstand vor der letzten Sicherung immer komplett in einem Backupset. Möchte man auf ältere Versionen zurückgreifen, dann stehen diese in den inkrementellen Backups.

Der große Vorteil des „Reverse Incremental Backup“ ist, dass man einfach die ältesten Backups löschen kann, um z.B wieder Platz für neue Backups zu gewinnen. Beim normalen inkrementellen Backup ist das nicht möglich. Löscht man hier inkrementelle Backups, dann kann man z.B. den letzten Datenstand nicht mehr herstellen. Das ist beim „Reverse Incremental Backup“ immer möglich, denn der letzte Stand befindet sich immer in einem, dem letzten Backup.

Mit dem „Reverse Incremental Backup“ ist damit ein „forever-incremental“ Backup möglich. Einmal ein Vollbackup und danach für immer nur noch umgekehrt inkrementelle Datensicherungen. Bei Platzmangel werden dann die ältesten Backup-Files gelöscht. Natürlich schadet hin und wieder ein kompletter Vollbackup auch nicht.

Ein Nachteil des umgekehrt inkrementellen Backup ist der höhere I/O-Aufwand gegenüber dem normalen inkrementellen Backup.

Reverse Incremental Backup

In den Datensicherungsprodukten von VEEAM für virtuelle Umgebungen und in Ocster für den Heimgebrauch kommt das „Reverse Incremental Backup“-Verfahren zum Einsatz.

Im Unix-Umfeld gibt es rdiff, das auch das „Reverse Incremental Backup“-Verfahren unterstützt.


Autor: Oliver Fischer

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